Kirche Mogendorf

Fuhrgasse 7, 56242 Mogendorf

Über die Kirche Mogendorf

„Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnt.“
(Psalm 26,8)

 

Die Kirche gehört ab dem 01.01.2026 zur Ev. Christusgemeinde Sayn-Wied-Westerwald. Bis zum Übergang in diesen neuen Nachbarschaftsraum gehörte die Kirche zur ehemaligen Kirchengemeinde Nordhofen. Zu dem Kirchspiel gehörten die Gemeinden Mogendorf, Nordhofen, Quirnbach und Vielbach.
Die Kirchengemeinde besaß zwei Kirchen: In Nordhofen befindet sich mit St. Walburga eine der ältesten romanischen Westerwälder Kirchen, die erstmals 1294 erwähnt wurde. Bodenfunde lassen jedoch auf eine Erbauung im 9./10. Jahrhundert schließen.
Die zweite Kirche befindet sich in der Fuhrgasse in Mogendorf – eine zur Kirche umgewandelte ehemalige Synagoge.

 

Die Synagoge

Die Gemeinde besaß bereits 1844 ein Grundstück in der Fuhrgasse, auf dem zeitnah eine Synagoge erbaut wurde. Die räumliche Aufteilung wird wie folgt beschrieben:
„Im unteren Stock befinden sich Saal, Gang, Treppenhaus, Heizkammer, Abtritt (WC) und das rituelle Reinigungsbad, die Mikwe. Außerdem sind eine Empore sowie ein Schulzimmer beschrieben. Die Heizkammer ist mit einem kupfernen Kessel mit Rost und einem Wasserhahn aus Messing versehen. Erwähnt wird noch ein Herd mit ‚Schwadenfang‘ (vermutlich ein Rauchfang), der die Zubereitung von Gemeinschaftsmahlzeiten ermöglichte.“
Etwa 70 Sitzplätze für Männer sowie 28 Plätze für Frauen waren eingebaut. Sitze wurden öffentlich versteigert. Die Kosten betrugen ca. 5 Gulden (d. h. ca. 40 EUR). Wer keinen Sitz pachten konnte, konnte für 30 Kreuzer (ca. 4 EUR) einen Sitzplatz mieten.
An sonstiger Ausstattung waren vorhanden: zwei Thorarollen, ein Thoraschrank, zwei Schofar-Hörner, liturgische Bücher, ein Vorlesepult, ein Kleid für den Vorbeter sowie ein Chanukka-Leuchter.
Nach einer Bauzeit von drei Jahren und einer Bausumme von rund 4.500 Gulden (ca. 40.000 EUR) konnte die Weihe rechtzeitig vor den Feiertagen Jom Kippur und Rosch ha-Schana vom 18. bis 20. September 1845 stattfinden. Der zuständige Bezirksrabbiner aus Diez nahm die Weihe der Synagoge vor. Auf der nachfolgenden Tanzveranstaltung spielte eine dreiköpfige Kapelle aus Selters unter der Leitung des Reservefeldwebels Hafner auf.

 

Die Ereignisse im November 19381
Am Morgen des 10. November 1938 erschienen einige SS-Angehörige mit zwei Personenwagen. Der Führer des Kommandos, ein SS-Sturmbannführer (vergleichbar mit einem Major), hatte bereits 50 Liter Benzin mitgebracht. Mit einer in einem Nachbarhaus beschafften Axt zertrümmerte man in der Synagoge Mobiliar, Fenster und weitere Inneneinrichtungen. Anschließend befahl der Führer des Kommandos, die Trümmer im Synagogenraum aufzuschichten und in Brand zu setzen. Ein SS-Mann aus Wirges verhinderte die Brandstiftung jedoch mit dem Hinweis auf die Gefährdung der Nachbarhäuser. Danach zog das Kommando ab. Die Namen der SS-Männer sind bekannt.
Am Abend des 10. November rückte eine Abteilung der SA-Standarte 261 aus Montabaur an und versammelte sich zunächst zu einer „Befehlsausgabe“ in einer örtlichen Gaststätte. Danach richteten sich weitere Ausschreitungen gegen jüdische Privatpersonen und deren Häuser. Von Unbekannten wurde noch zweimal versucht, die am Morgen begonnene Brandstiftung an der Synagoge fortzusetzen. Allerdings scheiterte dies am beherzten Eingreifen Mogendorfer Bürger.
Das durch die Zerstörung nicht mehr nutzbare Gebäude der Synagoge blieb zunächst 14 Jahre lang als Bauruine bestehen – als sichtbares Zeichen der Nazi-Gräuel von 1938. Eine jüdische Gemeinde existierte in Mogendorf nicht mehr.
1Nach Ausarbeitungen/Vorlage von Dr. Iuli Jungbluth, Selters und Bernd Stöder, Mogendorf

 

Evangelische Kirche
Im Jahre 1952 erwarb die Ev. Kirchengemeinde St. Walburga, Nordhofen, von dem jüdischen Nachfolgeeigentümer der jüdischen Kultusgemeinde Koblenz das Gebäude. Nach umfangreichen Sanierungs- und Renovierungsarbeiten sowie dem Anbau eines Glockenturms konnte die feierliche Einweihung des Gotteshauses stattfinden.
Aus den Händen des Baumeisters Herrn Schumacher empfing Propst Hebert aus Herborn den Kirchenschlüssel, den er anschließend dem Gemeindepfarrer Hermann Hafner übergab. Am 23. August 1954 konnten die evangelischen Christen aus Mogendorf nun ihren ersten Gottesdienst in dieser zweiten Kirchspielkirche feiern.
Sechs Tage später konnte Pfarrer Hafner vier neue Glocken mit dem Spruch weihen:
„Im Dienst Gottes und der Gemeinde, dass sie den Menschen durch sein Tagwerk geleiten und daran erinnern, dass das Tagwerk in Gottes Namen geschaffen wurde.“
Am 30. November 1958 konnte die neue Orgel eingeweiht werden, und ein neues Abendmahlgerät ergänzte die liturgische Ausstattung.
Durch eine private Spende eines Mogendorfer Bürgers konnten 2018 neue grafisch gestaltete Fenster eingebaut werden. Die im Glas sichtbaren Motive zeigen einen Bildzyklus aus dem Alten Testament.
Zur Erinnerung an die Gräuel der Pogrome von 1938 wurde am 05. November 2023 eine Gedenktafel an der Außenwand der Kirche angebracht. Schüler des Musikgymnasiums Montabaur waren gemeinsam mit Pfarrer Haxel-Schamun mit der Vorbereitung des Projekts beschäftigt. Der musikalische Rahmen wurde ebenfalls von den Schülern gestaltet.
Ein weiteres Zeichen fortdauernder Erinnerungskultur zeigte der ökumenische Gottesdienst, der am 11. November 2024 von der ev. Kirche und der Katholischen Erwachsenenbildung Montabaur gestaltet wurde. Dekan Dr. Wengenroth (ev. Kirche) und Dr. Poell (Katholische Erwachsenenbildung Montabaur) hielten die Gedenkstunde.
Frau Dr. Judith Thomanek referierte in ihrem Vortrag über „Schma Israel“, das wichtigste Gebet im Judentum. Eine künstlerisch gestaltete Tafel mit diesem Text schmückt die Vorhalle zum Kirchenraum. Bernd Ströder aus Mogendorf stellte in seinem Vortrag die Geschichte der jüdischen Gemeinde Mogendorf vor.


Bernd Schrupp, 05/2026

 

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